Datensouveränität

»Shared Digital Twin«: Daten als strategische Ressource nutzen#

© Fraunhofer ISST

Wer industrielle Anlagen betreibt, will Ausfallzeiten vermeiden. Dementsprechend gut sollten Wartungsintervalle an die tatsächliche Notwendigkeit einer Überprüfung der Anlage angepasst werden. Hierzu müssen Daten zwischen Anlagenbetreiber und Anlagenhersteller ausgetauscht werden. Der Fraunhofer CCIT hat eine Internet-of-Things-(IoT)-Architektur entwickelt, die Daten eines solchen Unternehmensprozesses in einen »Shared Digital Twin« integriert. Diese Daten können auf der Basis von Konnektoren mit anderen Unternehmen geteilt werden, wobei das datengebende Unternehmen die Kontrolle über die Nutzung der Daten behält und somit über Datensouveränität verfügt.

Bei einem digitalen Zwilling geht es um mehr als um ein reines digitales Abbild eines realen Gegenstandes oder Prozesses: Kern des »Digital Twin« ist die Datenintegration. Die Daten können aus verschiedenen Quellen stammen und auch unterschiedliche Formate besitzen. Sie werden über den gesamten Lebenszyklus eines Unternehmenswerts wie beispielsweise einer Anlage oder einem Prozess in einem zentralen Repository zur Verfügung gestellt. In ihm können dann verschiedenste Analysen mit den Daten durchgeführt werden. Diese können unter anderem aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz, des Machine Learnings oder der Predictive Maintenance stammen.

Einsatz etablierter Lösungen für Integration aus Austausch

Der »Shared Digital Twin« wurde auf Basis der vom Fraunhofer ISST entwickelten IoT-Architektur RIOTANA entwickelt. Mit RIOTANA können aus den Rohdaten laufender Prozesse (etwa Schwingungen, Temperatur oder Reibung) in Echtzeit aussagekräftige Kennzahlen generiert werden. Als Digital Twin kommt die Verwaltungsschale der Plattform Industrie 4.0 zum Einsatz, so dass das Framework und die Schnittstellen des Zwillings klar definiert und einheitlich sind.

Doch »Shared« heißt, dass die Daten nicht nur im Unternehmen selbst verbleiben, sondern in Netzwerkstrukturen ausgetauscht werden. Dazu nutzt die Lösung »IDS-Konnektoren«, die im Rahmen der International Data Spaces (IDS)-Initiative von Fraunhofer und zahlreichen Wirtschaftspartnern mit dem Ziel vorangetrieben wird, einen souveränen Austausch von Daten zwischen verschiedenen Unternehmen standardisiert zu ermöglichen. Die Kontrolle über die Daten behält bei der Nutzung der International Data Spaces immer das datengebende Unternehmen, indem es Nutzungsbedingungen an die Daten heftet, die es mit Kooperationspartnern teilt. Beide Unternehmen, die den Digitalen Zwilling teilen, können die Daten mit Informationen anreichern.