Christian Banse

Der Vision Schritt für Schritt näher kommen

3 Fragen an Christian Banse, Leiter Geschäftsstelle Fraunhofer-Cluster of Excellence Cognitive Internet Technologies CCIT

Warum haben sich über 20 Fraunhofer-Institute zusammengeschlossen, um ein kognitives Internet für die Industrie zu entwickeln?

Alle reden von den immensen Möglichkeiten der Digitalisierung der Industrie. Sich selbst organisierende Produktionsprozesse beispielsweise versprechen die industrielle Fertigung flexibler, agiler und effizienter zu machen. Auf Datenauswertung und digitalen Technologien basierende Konzepte wie Smart Agriculture oder Precision Farming sollen die Landwirtschaft revolutionieren. Autonome Fahrzeuge und intelligente Verkehrsinfrastrukturen stehen für die Mobilität von morgen. Doch die praktische Umsetzung dieser Visionen ist komplex. Zwar sind die dafür notwendigen Basis-Technologien, wie drahtlose Kommunikation, sichere Datenräume und maschinelles Lernen längst den Kinderschuhen entwachsen, doch es fehlen ganzheitliche Konzepte für konkrete Anwendungen. Genau hier setzt der Fraunhofer CCIT an. Die beteiligten Fraunhofer-Institute vereinen Kompetenzen in denen für ein kognitives Internet notwendigen Disziplinen Mikroelektronik, Informations- und Kommunikation und Produktion. Das Ziel: Prototypen für konkrete Anwendungen zu entwickeln und sie gemeinsam mit der Industrie umzusetzen.

Wie ist ihr Fazit nach den ersten zwei Jahren Forschungsarbeit?

Das kognitive Internet ahmt die kognitiven Fähigkeiten des Menschen nach. Speziell unsere Fähigkeit zu planen, uns zu orientieren und zu lernen. Das kognitive Internet verknüpft die physische Welt der Dinge mit der digitalen Welt der Daten und der lernenden Algorithmen für hochintelligente Leistungen. Das kognitive Internet ist daher der Schlüssel für die digitale Souveränität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. In den letzten zwei Jahren sind wir dieser Vision Schritt für Schritt näher gekommen. In der ersten Phase haben wir die wichtigsten Themen in Flagship- und Anwendungsprojekten vorangetrieben. Dazu gehören beispielsweise Autonomes Pflanzenmonitoring, Predictive Farming, aktive, intelligente Fertigungswerkzeuge, die intelligente Kreuzung, ein datensouveräner Ansatz für ein optimiertes Bedarfs- und Kapazitätsmanagement in der Automobilproduktion, der Shared Digital Twin für den Datenaustausch zwischen Unternehmen, Sprach- und Gestensteuerung in der Industrie sowie Quanten Maschinelles Lernen. Details über die einzelnen Projekte finden Sie auf unserer Website.

Welche Ziele haben Sie sich für 2020 und darüber hinaus mit dem Fraunhofer CCIT vorgenommen?

Entstanden sind bei den bisherigen Forschungsarbeiten viele konkrete Demonstratoren, die wir jetzt gemeinsam mit der Industrie umsetzen wollen. Der Mehrwert in der Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer CCIT liegt auf der Hand: Wir bieten den direkten Wissenstransfer aus der Forschung in die Unternehmenspraxis. Kunden profitieren von einer industriellen Umsetzung mit Wissensvorsprung und der CCIT-Technologiekompetenz, z.B. bei den Themen Datensouveränität, Maschinellem Lernen und dem Internet of Things. Wir begleiten unsere Kunden von der Entwicklung einer Vision bis zur Umsetzung nachhaltiger Dienste. Neue Projektideen erarbeiten wir in Excitement Workshops gemeinsam mit den Unternehmen. Wir zeigen, welche Möglichkeiten es gibt, klassische industrielle Abläufe und Prozesse „kognitiv“ zu machen. Unternehmen, die jetzt bei der Digitalisierung durchstarten wollen, sage ich deshalb: Sprechen Sie mich an. Ich bin ihr zentraler Ansprechpartner zur Industrie 4.0-Kompetenz von über 20 Fraunhofer-Instituten.