Kognitives Internet für die Industrie

Drei Fragen an Prof. Dr. Claudia Eckert, Direktorin des Clusters Cognitive Internet Technologies

© Andreas Heddergott

Direktorin des Fraunhofer CIT und Leiterin des Fraunhofer AISEC

Was bedeutet kognitives Internet und was ist der Unterschied zum „normalen“ Internet?  

Die fortschreitende Digitalisierung macht eines deutlich: die bloße Orientierung auf klassische Web-basierte, digitale Prozesse greift entscheidend zu kurz. Wettbewerbsfähige Anwendungen, Produkte und Dienstleistungen erfordern heute die vertrauenswürdige Nutzung der vielfältigen Sensordaten des Internet of Things, ihre unternehmensübergreifende semantische Integration und die Erbringung hochintelligenter, lernender Dienstleistungen, um so aus Anwendersicht ein »kognitives Internet« (CI) zu schaffen.

Wo steht die Industrie in diesem Bereich und wie kann Fraunhofer Unternehmen unterstützen?

Die Industrie ist gerade dabei, Lösungen für die digitale Transformation in den Unternehmen zu entwickeln und schrittweise einzuführen. Die Digitalisierung und durchgehende Vernetzung von u.a. Maschinen, Produkten, aber auch Logistikabläufen, Bestell-, Lager- und Rechnungswesen birgt ein riesiges Potential für die Verbesserung der Abläufe und Individualisierung der Produkte zugeschnitten auf individuelle Anforderungen. Gleichzeitig führt dies zunehmend zu kaum beherrschbaren Systemen von immenser Komplexität. Fraunhofer möchte mit dem Cluster of Exellence „Cognitive Internet Technologies“ (CIT) die Unternehmen während des gesamten Transformationsprozesses begleiten und zusammen mit ihnen passgenaue kognitive Lösungen entwickeln, die es ermöglichen, die Komplexität zu beherrschen.  Die Unterstützung reicht dabei von der Analyse über die Planung einer zukunftsfähigen Unternehmensstrategie bis hin zur agilen Technologieentwicklung und Erprobung in den zahlreichen Innovations- und Anwendungszentren des CIT.

Was sind die langfristigen Ziele des Forschungsclusters CIT? Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit erreichen?

Das langfristige Ziel besteht ganz klar darin, durch Erforschung kognitiver Technologien ein neues Internet für die Industrie zu errichten. Schlüsseltechnologien entlang der Wertschöpfungskette vom Sensor über intelligente Lernverfahren bis hin zur Cloud sollen in den Unternehmen zu hochintelligente Lösungen und Produkte führen, die die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen bewahren, deren Innovationskraft stärken und deren digitale Souveränität sichern. Das möchten wir erreichen und die Unternehmen bei der zukunftsorientierten Gestaltung ihres Geschäfts begleiten.

Cognitive Internet Technologies

Mit dem Forschungs-Cluster Cognitive Internet Technologies (CIT) arbeitet die Fraunhofer-Gesellschaft massiv an zentralen Schlüsseltechnologien für das CI mit dem Ziel einer Technologie-Führerschaft mit internationaler Sichtbarkeit und Impact. Dazu bündelt das Forschungs-Cluster CIT die Kompetenzen von 13 Fraunhofer-Instituten aus der Mikroelektronik, der Informations- und Kommunikationstechnik und der Produktion. Die bereits in den Instituten verankerte erstklassige Forschungs- und Entwicklungskompetenz wird in dem Forschungs-Cluster gebündelt und durch gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsvorhaben mit Schwerpunkten in den Bereichen der IoT-Kommunikation, der Datenräume und des Maschinellen Lernens. Im Cluster CIT werden diese drei Technologie-Felder zusammengeführt, um den Brückenschlag von physischer Welt, digitaler Welt hin zu sozialer Welt – den Nutzern – zu ermöglichen. Cognitive Internet-Technologien sind der Schlüssel für die digitale Souveränität und wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.  

Gebündelte Kompetenz - die Forschungszentren

 

IoT-COMMS

Leitung: Prof. Dr. Albert Heuberger (Fraunhofer-Institute: IIS, AISEC, HHI, IWU, IVI)

Vertrauenswürdige, robuste Echtzeit-Kommunikation und authentische Ortsinformationen.

 

Maschinelles Lernen

Leitung: Prof. Dr. Stefan Wrobel und Prof. Dr. Christian Bauckhage (Fraunhofer-Institute: IAIS, IOSB, ITWM, SCAI)

Nachvollziehbare, robuste Lernverfahren kombiniert mit domänenspezifischem Expertenwissen.

 

Data Spaces

Leitung: Prof. Dr. Boris Otto (Fraunhofer-Institute: ISST, AISEC, IAIS, IML, IOSB, FIT, IESE)  

Vertrauenswürdige Datenräume zur kontrollierbaren unternehmensübergreifenden Kollaboration.

Forschungs- und Kooperationsmöglichkeiten

Exklusive strategische Industriepartnerschaften

Auf mehrere Jahre angelegte Kooperationen zur nachhaltigen Strategieentwicklung und Technologieumsetzung

Nutzung erfolgreich implementierter Kooperationsformate
(Bsp.: Enterprise Innovation Campus)

Abwicklung von Großprojekten

Industrielle Umsetzung unter Einbeziehung des  Wissensvorsprungs und der Technologiekompetenz des CIT

Eine Schnittstelle mit einem zentralen Ansprechpartner für Unternehmen

Kerninstitute des CIT

  1. Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC
  2. Intelligente Analyse- und Informationssysteme IAIS
  3. Integrierte Schaltungen IIS
  4. Software- und Systemtechnik ISST
  5. Angewandte Informationstechnik FIT
  6. Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut HHI
  7. Experimentelles Software Engineering IESE
  8. Materialfluss und Logistik IML
  9. Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB
  10. Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM
  11. Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI
  12. Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU
  13. Algorithmen und Wissenschaftliches Rechnen SCAI

Forschungseinrichtungen des CIT

  1. Transferzentrum 5G Testbed HHI
    Lokale Funkknoten 4G/5G mit verschlüsselter Übertragung HHI, AISEC
    V2V, V2X Kommunikation HHI
  2. Testgelände für Automotive-Anwendungen IVI
  3. E3-Forschungsfabrik IWU
  4. Test- und Anwendungszentrum L.I.N.K. IIS
    High precision positioning in 5G IIS
  5. Leistungszentrum Sichere Vernetzte Systeme AISEC, EMFT, ESK
    Hardware- und Laserlabor AISEC, EMFT
  6. Leistungszentrum Simulations- und Softwarebasierte Innovation ITWM
  7. Enterprise Innovation Campus IAIS
  8. Industrial Data Space Lab ISST
    Leistungszentrum Logistik ISST, IML
    Digital.Hub Logistik IML, ISST
  9. Smart Factory OWL IOSB